Eine Landschaft wie im hohen Norden

Auf 1000 m.ü.M. bildet die Gegend der Freiberge und Bellelay ein Hochplateau mit urigen Landschaften zwischen dem Kanton Jura und dem Berner Jura. Es ist eine karge Gegend, ein bisschen geheimnisvoll, mit langen verschneiten Wintern. Grosse Weidegebiete werden von tiefen Tannenwäldern durchzogen und sind ein Paradies für Naturliebhaber sowie ein idealer Ort für Fans von Aktivitäten an der frischen Luft: Wander-, Velo- und Reitwege sind markiert und man kann Spazierfahrten in Planwagen, Ausflüge mit Schneeschuhen, Langlauf oder gar Rundfahrten mit Schlittenhunden machen.

Von hier kommt der original Tête de Moine, aber auch das Freiberger-Pferd, die einzige Schweizer Pferderasse. Nicht erstaunlich, dass viele Aktivitäten mit Pferden auf dem Programm stehen, so zum Beispiel begleitete Spaziergänge, Fondue auf einer von einem Pferd gezogenen Kutsche oder Besuche der Zuchten.

Die Region hat auch eine reichhaltige Uhrenkultur, denn hier haben viele Bauern-Uhrmacher zum Aufschwung der Uhrenindustrie des Juras beigetragen. Mehrere Museen und Standorte laden zum Entdecken der Uhrmacher-Vergangenheit des Jura und des Berner Juras ein und sogar zum Bauen einer eigenen Uhr.

Inmitten dieser typischen Landschaften befindet sich der geschichtsträchtige Weiler Bellelay und seine berühmte Abteikirche aus dem Jahr 1140, die man immer noch bewundern und besuchen kann. Es ist auch der Ort, wo man mit der historischen Käserei des Tête de Moine und dem Werdegang des bekannten Käses Bekanntschaft machen kann.

Ein kleines Dorf und ein grosser Käse

Der Tête de Moine AOP ist ein sehr alter Käse aus dem Dörfchen Bellelay. Nicht nur sein Geschmack ist einzigartig, sondern auch seine zylindrische Form und die Art, in als Röschen zu geniessen.

Es ist eine richtiggehende Kunst, den Tête de Moine AOP zu verköstigen. Denn dieser Käse wird nicht in Stücke geschnitten, sondern gehobelt. Früher machte man das mit einem Messer, heute mit der Girolle®.

Der Tête de Moine AOP ist ein hochwertiges Produkt, welches nach traditioneller Art in Dorfkäsereien hergestellt wird. Die Käser verwenden qualitativ hervorragende Rohmilch von den umliegenden Alpwiesen. Die Laibe werden mindestens 75 Tage auf Kieferbrettern gelagert und regelmässig gebürstet und gedreht.

An mehreren Orten kann man den Tête de Moine, seine Geschichte und Herstellung kennenlernen. Auf Anfrage ist es möglich, im Museum Maison de la Tête de Moine AOP der Herstellung des Käses in einem grossen Kupfertopf nach Art der Mönche beizuwohnen. In den Käsereien in Le Noirmont, Saint-Imier und Saignelégier kann man während eines freien oder geführten Besuchs der modernen Produktion des Käses zuschauen. Das Fest des Tête de Moine, welches jedes Jahr anfangs Mai in Bellelay stattfindet, bietet eine weitere einzigartige Gelegenheit, diesen atypischen Käse zu degustieren.

Eine Jahrtausende alte Geschichte

Sowohl der Käse als auch die Ortschaft erfreuen sich einer langen Geschichte. Bereits 1136 stand in Bellelay ein Kloster. Die Legende besagt, dass der Vogt der naheliegenden Abtei Moutier-Grandval in den weiten Wäldern des Juras Wildschweine jagte. Nachdem er ein Tier erlegt hatte, fand er seinen Heimweg nicht mehr. Er flehte Gott an, ihm den Weg zurück nach Moutier zu zeigen und versprach, an der Stelle, wo er das Tier getötet hatte, ein Kloster zu errichten, wenn er es nach Hause schaffte. Er hielt sein Versprechen und liess ein Abteikloster errichten, dem er den Namen Bellelay (belle laie, schöne Bache) gab.

Anscheinend produzierten die Mönche von Bellelay bereits am Ende des 12. Jahrhunderts Käse, den sie benutzten, um ihre Zehnten in natura zu bezahlen.

So ging dies Jahrhunderte lang, bis sie Ende des 18. Jahrhunderts aus dem Kloster vertrieben wurden. Aus dieser Zeit stammt auch das erste offizielle Dokument, in dem der Tête de Moine genannt wird. Die Produktion des bekannten Käses hörte aber mit dem Verschwinden der Mönche aus Bellelay nicht auf. Tatsächlich führten die Käsereien, die auf dem Gelände der ehemaligen Abtei lagen, die Tradition weiter und holten am Weltwettbewerb von Paris 1856 gar einen Preis. Die bereits lange Geschichte des Tête de Moine erlebte einen weiteren Meilenstein, als 1981 die Girolle® erfunden wurde, welche die Art des Degustierens revolutionierte. Ein jurassischer Familienvater fand das Hobeln des Käses zu langsam und unpraktisch und erfand ein drehbares Messer, mit welchem der Käse zu schönen Röschen geformt werden kann.

Seither begegnet man dem Tête de Moine nicht mehr ohne seine Girolle®.

Hingegen fehlt ein Teil der Geschichte: der Ursprung des Namens Tête de Moine ist unklar. Zwei Versionen existieren. Die eine behauptet, dass der Käse der Tonsur eines Mönchs gleicht und der Name deshalb auf der Hand lag. Die andere besagt, dass in der Abtei genauso viele Käselaibe gelagert wurden wie es Mönche gab, und der Ausdruck «pro Kopf» zu pro Mönchskopf (Französisch tête de moine) umgewandelt wurde.

Weiter im Süden liegt das Tal von Saint-Imier

Diese Region des Berner Juras liegt ebenfalls in der Produktionsgegend des bekannten Käses. Drei Käsereien stellen hier den Tête de Moine her: Saint-Imier, Villeret und Corgémont. Im Tal zwischen dem Chasseral und den Freibergen gibt es viel zu sehen: das Museum Longines, CHEZ Camille Bloch, eine Sternwarte, Besuchspavillons der Solar- und Windkraftanlagen und vieles mehr.

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