Die Ajoie und der Damassine AOP: ein Souvenir aus dem Orient

Die Ajoie und der Damassine AOP: ein Souvenir aus dem Orient

Ein reicher Nährboden

Die Ajoie liegt im nordwestlichen Teil des Kantons Jura und ist eine Gegend voll von Traditionen und Bodenständigkeit. Sie reicht von der französischen Grenze bis zum Clos du Doubs.

Die weite, fruchtbare Ebene mit ihren abwechslungsreichen Landschaften und reichen kulinarischen Bräuchen wird auch «Obstgarten des Juras» genannt. Hier ist der Damassine-Branntwein AOP zuhause. Aber auch die Saucisse d’Ajoie IGP ist bekannt und wird im November am Sankt-Martins-Fest gewürdigt. Diese althergebrachte Feier ehrt das Ende der landwirtschaftlichen Saisonarbeit. Das traditionelle Essen besteht aus 8 Gängen, die man in den diversen Wirtschaften der Region aber auch entlang von Gourmet-Wegen in diversen Ortschaften geniessen kann. Das Sankt-Martins-Fest wird jeweils am zweiten und dritten Wochenende des Novembers in Pruntrut (Porrentruy) und der ganzen Region gefeiert. Während den Festlichkeiten wird im historischen Zentrum von Pruntrut der Sankt-Martins-Markt abgehalten, wo über 50 lokale Kleinproduzenten ihre jurassischen Produkte anbieten.

Die Region Ajoie ist auch für ihren paläontologischen Reichtum bekannt. An zahlreichen Stätten wird dieses einzigartige Naturerbe zur Schau gestellt. Die Stiftung JURASSICA bietet Aktivitäten und Besuche für Gäste jeden Alters an: freigelegte Abdrücke, die an der Dinotec-Stätte und entlang einem Lehrpfad zu entdecken sind, der Fundort Banné, wo Kinder im Boden graben und Fossilien finden können, das Naturhistorische Museum und der botanische Garten. In der Nähe liegt auch der Préhisto-Parc von Réclère, der die Reptilien der Vergangenheit mit naturgrossen Nachbildungen in Szene setzt. Ein idealer Ausflugsort für Familien.

Früher wohnten die Fürstbischöfe von Basel im Hauptort der Ajoie, der Stadt Pruntrut, die ebenfalls einen Besuch wert ist. Die gepflasterten Strassen und auffallenden Gebäude im Barockstil können einfach zu Fuss auf einer geführten Tour oder auf dem Geheimen Rundweg (Circuit secret®) erkundet werden. Für den Geheimen Rundweg erhalten Sie im Tourismusbüro ein Badge, mit dem Sie die Türen und Tore unvergleichlicher Gebäude aufschliessen können, welche normalerweise für die Öffentlichkeit geschlossen sind. Licht- und Tondarstellungen beleben die Besichtigung.

Nicht weit weg befindet sich Saint-Ursanne, die Perle des Juras. Die mittelalterliche Stadt liegt am Fluss des Doubs und birgt viele Schätze, wie zum Beispiel die Stiftskirche und das dazugehörende Kloster aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Mehrere Kunstgalerien und Antiquare befinden sich in der Stadt, und ein historischer Garten lädt zum Entdecken von früher benutzten Heil- und Gemüsepflanzen ein.

Eine kleine Pflaume von weit weg

Der Damassine-Branntwein AOP ist eine Spezialität des Kantons Jura. Er wird aus der Damaszenerpflaume hergestellt, einer kleinen, wilden Pflaume mit tausend Aromen, welche von den Kreuzrittern aus Damaskus gebracht und zuhause in der Ajoie angebaut worden ist. Im August fallen die reifen Früchte des Damassine-Baums in aufgespannte Netze und werden jeden Tag während vier bis fünf Wochen zusammengelesen. Es braucht über 100 Pflaumen für ein Kilo und ungefähr 900 Früchte, um für das Sankt-Martins-Fest einen Liter Damassine-Branntwein AOP brennen zu können.

Die Herkunft des Damassine AOP verliert sich in der Vergangenheit, aber gemäss einer Legende hätten die Kreuzritter ihn als Beute in ihren Umhängetaschen nach Hause gebracht. Eine andere Legende besagt, es sei der Pfarrer von Charmoille gewesen, der 1145 nach Palästina gereist war. Sicher ist, dass der Name des Branntweins von der syrischen Hauptstadt Damaskus her rührt. Dank dem kalkhaltigen Boden und dem Klima der Ajoie kann die Frucht hier besser als andernorts die Quintessenz ihrer Aromen entfalten.

Im Kanton Jura begegnet man dem Damassine auf verschiedene Arten: Beim Besuch einer Destillerie mit Destillierapparaten aus vergangenen Zeiten, beim Degustieren oder im Schweizer Obst- und Brennereimuseum Ô Vergers d’Ajoie. Interessant ist auch der Lehrpfad «Auf dem Damassiner-Weg» oberhalb des Dorfes Mormont.

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Copyright photos: Guillaume Perret – Reto Duriet

Der Absinth des Val-de-Travers, dem Land der grünen Fee

Der Absinth des Val-de-Travers, dem Land der grünen Fee

Er ist das Vorzeigegetränk par excellence des Val-de-Travers im Kanton Neuenburg, und obwohl er seit der Antike für seine medizinischen Vorzüge bekannt ist, musste sich der Absinth beinahe während einem Jahrhundert bis ins Jahr 2005 verstecken. Bereits Hippokrates und Pythagoras rühmten seine wohltuenden und aphrodisischen Wirkungen. Sein sehr spezieller Geschmack wurde aber nicht vor dem Ende des 18. Jahrhunderts entdeckt.

Die Geschichtsbücher sind sich einig: dieses Getränk aus Heilpflanzen der Region wurde von Frauen in Couvet im Kanton Neuenburg geschaffen. Eine Heilkundige namens Marguerite Henriette Henriod, geboren im Jahr 1734, habe das berühmte Getränk Absinth erfunden. Eine erste grössere Schnapsbrennerei wurde 1798 in dieser Ortschaft des Val-de-Travers eröffnet. Ihre Gründer waren Daniel-Henri Dubied und sein Verwandter Henri-Louis Pernod, dessen Name an den weltweiten Epos von Anis-Getränken erinnert.

Dank Henri-Louis Pernod, der 1805 mit dem Rezept die französisch-schweizerische Grenze überschritt, wurde die grüne Fee sowohl im intellektuellen Pariser Milieu als auch von Arbeitern geschätzt und erfreute sich bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts grosser Beliebtheit. Jedes Jahr wurden in Pontarlier zehn Millionen Liter gebrannt und die blauen Flaschen in die ganze Welt versandt.

Ab in den Untergrund

Niemand rechnete mit den Gegnern dieses Alkohols, die ihn beschuldigten, verrückt zu machen, wenn man zu viel davon trank. Im Oktober 1910 wurde der Absinth in der Schweiz verboten, 1912 folgte das Verbot in den USA und 1915 in Frankreich.

Trotz einer langen Verbotszeit, welche in der Schweiz erst 2005 endete, brannten die traditionsbewussten Einheimischen heimlich weiter Absinth und verbesserten dabei ständig ihre Rezepte. Der 2005 gegründete Fachverband Absinth zählt heute 18 Mitglieder, welche um eine geschützte geografische Angabe IGP kämpfen. 2014 anerkannte das Verwaltungsgericht Rekurse gegen den AOC-Antrag, der die Benutzung der Namen «Absinth», «bleue» und «grüne Fee – fée verte» auf das Tal Val-de-Travers beschränken wollte.

2017 machte das Bundesamt für Landwirtschaft einen neuen Versuch und veröffentlichte den Antrag für einen IGP-Eintrag des Absinths des Val-de-Travers. Heute noch warten die Produzenten ungeduldig auf eine Anerkennung ihres Terroirs und ihres Wissens.

Warten Sie nicht auf eine Entscheidung, sondern gehen Sie heute schon auf Entdeckungsreise der tief verwurzelten Traditionen der grünen Fee.

Die Absinth-Route: eine Fee vereint zwei Länder

Das Land des Absinths vereint die Regionen des Val-de-Travers und der Gegend um Pontarlier rund um das gemeinsame Erbgut des Absinths. Von Pontarlier über die Grenze bis zum Val-de-Travers haben Liebhaber der guten Blauen entlang der französisch-schweizerischen Absinth-Route, welche 2013 eingeweiht worden ist, viele Möglichkeiten, ihre Geschmacksnerven zu erfreuen.

Vom Bahnhof Noiraigue oder vom Tourismusbüro von Pontarlier aus führen 50 km gut gekennzeichnete Wege durch das Absinth-Land, vorbei an ungefähr 80 Produzenten, Gastwirten, Schokoladeherstellern, Bäckern und Metzgern, die ihre Leckereien zum Degustieren anbieten. Der Rhythmus des Spaziergangs ermöglicht einem auch, sich an der wunderbaren Natur zu laben, zum Beispiel am frischen Quellwasser, mit dem man den guten Absinth trüb werden lassen kann. Weiter kann man Museen, Anbaugebiete von Heilpflanzen und handwerklich arbeitende Produzenten besuchen, welche dieses Elixir verarbeiten. Entlang dem Parcours sind zudem viele Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeiten anzutreffen, so dass man die Strecke in beliebig viele Teile unterteilen kann.

Besuchen Sie das «Maison de l’Absinthe» in Môtiers

Im Herzen von Môtiers hat 2014 das «Maison de l’Absinthe» seine Tore geöffnet. Hier kann man die Geschichte des Getränks kennenlernen, von seiner Schaffung über die Jahrzehnte des Verbots bis zu seiner Rehabilitierung. Weiter zu geniessen: Kochworkshops, bei denen das mythische Getränk ins Gericht eingebunden wird.

Maison de l'absinthe

Maison de l'absinthe

Grand Rue 10
2112 Môtiers – CH

+41 32 860 10 00

maison-absinthe.ch